I am the Champion - über den ersten Verlierer und die bizarre Rolle der Sieger-Attitude in der österreichischen Öffentlichkeit

Marcel Hirscher hinter Dauerverfolger Henrik Kristoffersen und das verdammt noch mal genau bei der Weltmeisterschaft. Das ist bitter und der wohl beste Schifahrer zeigt sich über Silber enttäuscht. Er kommentierte es sogleich mit „der Zweite ist der erste Verlierer“... Ein mutiger Schritt, denn die Österreicher schätzen diese Siegermentalität so gar nicht. Da wird man ganz schnell als „unsympathisch“, „überheblich“ und „abgehoben“ abgehakt. Die Sympathiewerte sinken rasant in den Boden. Nur warum? Darf man die Ansprüche – wohlgemerkt an sich selbst – nicht ganz oben ansetzen und enttäuscht sein, wenn man sein Ziel nicht erreicht. Soll man sich wirklich für seine Sieger-Attitude entschuldigen, um Sympathiepunkte zu sammeln …und in guter österreichischer Tradition flux eine passende Ausrede suchen? Siegertypen wollen keine Ausreden, sie wollen siegen. Und dazu sollen sie öffentlich stehen! Ich denke, wir brauchen viel mehr von diesem Selbstverständnis... Denn verdammt noch mal: I am the Champion!

Reinventing myself - über die Kunst sich stets neu zu erfinden und dabei sich selbst treu zu bleiben

Da hat man’s endlich gefunden: seine Story, seine Message, sein Geschäftsmodell. Erleichterung macht sich breit. Wir wissen, was wir erzählen müssen. Und schwups – sind wir schon wieder outdated. Die Geschichte fängt von vorne an. Wie geht’s weiter, entwickeln wir den nächsten USP. Sollte irgendwie die logische Folge vom Alten sein, aber überraschen und inspirieren möchten wir... Der ständige Druck sich neu erfinden zu müssen, ist nicht neu, den hatte schon Marilyn Monroe oder Madonna oder Niki Lauda... Es geht heut einfach nur etwas schneller...wie alles andere auch. Bist du heute oben in den Charts, der letzte Schrei auf Instagram oder die angesagte Spokesperson zu deinem Thema, heißt das nicht, dass du nicht schon morgen Schnee von gestern bist. Als PR-Berater sitzt mir der Reinventing-myself-Dämon immer im Nacken, denn ich muss mich nicht nur selbst, meine Agentur, meine Positionierung stets neu erfinden. Es ist mit meine Aufgabe dies mit meinen Klienten zu machen. Ist der jüngste Blog geschrieben, das letzte Messaging finalisiert und der neueste Vlog im Kasten, geht die Schose von vorne los. Was machen wir als nächstes? Wohin führt die Reise der ständigen Reinventing myself – zu mir selbst oder von mir weg? Denn bei allem Reinventing muss man sich selbst treu bleiben, denn es geht ja um die viel gepriesene Authentizität...also immer schön in der eigenen Wahrheit bleiben...

"Den kann ich dir ans Herz legen..." - über Micro-Influencer, Meinungsbildner und Mundpropaganda

Ärzte, Handwerker, Anwälte – alles Berufsgruppen, die selten auf PR zurückgreifen. Ihr Geschäft floriert dennoch...die Patienten rennen dem Doc die Tür ein, die Auftragsbücher des Tischlers sind voll, dabei hat er nicht mal ‘ne Website. Alles Mundpropaganda...ein Rezept, das Jahrhunderte alt ist...wenn nicht Jahrtausende, denn die Wandmalereien in Pompeji muss ein und dieselbe Handwerks-Company ausgeführt haben, der Platzhirsch am Fuße des Vesuvs... Die schlaue digitalisierte Welt hat sich dieses Konzept zu Nutze gemacht und hat die „Influencer“ erfunden. Echte Menschen empfehlen mein Produkt – total authentisch. Je mehr Follower, desto besser. So hörte man gern von Kunden-Seite: Wir arbeiten nur mit Influencern ab 15k Follower...No...Nämlich genau hier geht die Wirkung verloren. Der Bezug zum „echten Menschen“ ist zu weit, die Glaubwürdigkeit dahin. Drum heißt der neue Trend...Micro-Influencer...oder dann halt Nano...was kommt nach Nano...Pico...Femto (ok, ich gebe zu, das musste ich jetzt googeln)...also ist dann „ich leite dir auf WhatsApp den Kontakt zu meinem Physio weiter”, Influencer-Marketing? Die Moral von der Geschicht‘: Egal in welchem Zeitalter wir leben, Kommunikation und die Wirkung von Kommunikation folgt den selben Gesetzen...in Pompeji  70 n. Chr. und in Wien im Jahr 2019.

Think first, tweet later - über die Tücken der Echtzeit-Kommunikation

17 Freigabeschleifen, das Go der Rechtsabteilung einholen, Inhalt und Wording mit „den Globalen“ abstimmen...als Pressesprecher und PR-Verantwortlicher leidet man seit Jahrzehnten unter mühsamsten und meist vollkommen sinnentleerten Freigabeprozessen...vollkommen sinnentleert...hmm, manchmal ist es vielleicht doch besser einen zweiten Blick auf eine Aussage zu werfen, bevor man sie in die Welt rausposaunt. Es gibt so Patienten, die uns jeden Tag die Tücken der Echtzeit-Kommunikation deutlich vor Augen führen. Der Godfather der übereilten Tweets ist freilich der zwitschernde US-Präsident. Tesla-Gründer und vielfach gefeiertes Wunderkind Elon Musk steht ihm bald um nichts mehr nach. Sein Aprilscherz ist schon kräftig in die Hose gegangen und sein Tweet, Tesla von der Börse zu nehmen, hat ihm nun Klagen eingebracht. Liebe mächtige Männer – nein, ich muss hier offensichtlich nicht gendern – ein Tweet ist eine Veröffentlichung und euer Wort hat Gewicht, egal über welchen Kanal ihr kommuniziert. Auch wenn es manchmal verführerisch scheint, jederzeit und überall informieren und kommunizieren zu können, sollte man sich immer der Konsequenz seiner Aussage bewusst sein. Deshalb meine Empfehlung: think first, tweet later!

Goethe im digitalen Zeitalter - wenn der Mensch für die Maschine textet

Nicht dass ich so dreist wäre mich mit dem Großmeister der deutschen Dichtkunst vergleichen zu wollen, aber ich steh auf catchy Überschriften. Und bei meinem eignen Blog darf ich sie ja noch nutzen, weil ich mir keinerlei SEO-Richtlinien auferlege. Ich texte seit rund zwanzig Jahren...die Deutsch-Schularbeiten in der Schule nicht miteinberechnet. Das Texten verändert sich stets – je nach Job, Aufgabe, Medium. Presseaussendungen haben ihre Regeln, Kommentare ebenso, Social Media-Posts, Blogs, Fachartikel, whatever. Das ist ja auch immer fein und mitunter fordernd, das Messaging und die Storyline auf das jeweilige Medium anzupassen. Ehrlich gesagt, mir macht’s Spaß. Aber alles, was online gestellt wird und ganz besonders auf der eigenen Homepage zu Hause ist, muss nun den SEO-Gesetzen folgen. Oberstes Prinzip: „Die Maschine“ muss den Text finden. Ob der Text lesbar, interessant, gut strukturiert und spannend ist, ist sekundär. Ich hatte kürzlich für einen Fachartikel eine zwei-seitige Stichwortliste bekommen. Die Challenge, in einem gut geschrieben Artikel zwei Seiten Begriffe, Begriffsvarianten und Kombinationen unterzubringen, ist spannend für deinen ambitionierten Texter. Die Quintessenz, ich texte nicht nur für den Leser, sondern für die „Maschine“...Aber sollte nicht im Zeitalter der Digitalisierung, die Maschine die Jobs der Menschen vereinfachen und nicht verkomplizieren? Was würde Goethe nun machen und wie würde heute der Zauberlehrling SEO-konform klingen?

 

 

Take it or leave it? - über die Frage, ob Kunden einem den Ruf zerstören können

Bei Anwälten ist eines klar, egal welch' Bösewicht er verteidigt, die Verteidigung wird als „sein Job“ gesehen und der zweifelhafte Ruf seines Mandanten färbt nur selten auf ihn ab – außer vielleicht bei den ganz harten Fällen wie Serienkiller oder Terroristen. In der PR ist das ein bisschen anders – die Frage warum dem so ist, wollen wir hier mal im virtuellen Raum stehen lassen. Welche Kunden „darf“ man annehmen und wann sollte man auf Abstand gehen, damit man nicht selbst in Verruf gerät? Das ist keine einfache Frage, denn die komplizierten und damit spannenden Aufträge könnten mitunter von Unternehmen oder Persönlichkeiten mit zweifelhaftem Ruf kommen. Darf man also sein Wissen, seine Expertise und seinen Einsatz für das Glücksspielunternehmen, den Tabakkonzern und den Politiker mit dem angeknacksten Ruf nutzen oder muss man dankend ablehnen? Ist es nicht nur die professionelle Unterstützung, die im besten Falle dem Kunden eine Image-Politur verpasst... der dann gleichzeitig für einen selbst der schlechteste Fall ist und einen eigenen Image-Schaden verursacht? Also: Take it or leave it?

 

Der Anlass - über den Zeitpunkt, der Zeitlosem Aufmerksamkeit gibt

Per Definition ist er kein Inhalt, sondern er bildet nur die Möglichkeit über etwas zu sprechen, das sonst ohne Newswert oder Aktualität nicht gehört werden würde: der Anlass! Der Weltfrauentag ist so ein Anlass. Der eine Tag, der 8. März, oder sagen wir die Woche rundherum bildet den perfekten Anlass, das Diversity-Programm rauszuholen, abzustauben, vielleicht mit einem neuen Anstrich zu versehen und in die Welt rauszutragen. Anfang März finden die Programme, Ideen und Konzepte zur Gleich- oder Besserstellung der Frau Gehör. Ich arbeite seit 20 Jahren in ganz unterschiedlichen Positionen in der Kommunikationsbranche und die zu kommunizierenden Inhalte änderten sich in dieser Zeit marginal...Die Medienberichte sind seit zwei Jahrzehnten nahezu ident. Führt dieses Faktum nun den Anlass und die Wirkung der Berichterstattung ad absurdum, oder sollen wir dankbar sein, dass zu einem Zeitpunkt Zeitloses auch in der aktualitätshungrigen und newsgierigen Welt Anklang findet? Und ja, ich habe diesen Blog absichtlich nicht am 8. März gepostet...also vollkommen ohne Anlass...bloß so.  

Berühmt auf Instagram, reich bei Monopoly - über Sinn und Unsinn des Influencer-Marketings

Das Prinzip ist einfach und die Grund-Philosophie von PR: Lass andere über dich sprechen, deine Geschichte erzählen, dann kommt sie am besten an und ist am glaubwürdigsten. Im Digital Age wurde das Prinzip simplifiziert und hat den Titel „Influencer Marketing“ erhalten. Während die PR einst und jetzt mit gutem und relevantem Content zu überzeugen trachtet, ist das plumpe Platzieren von Produkten vorzugsweise auf Instagram, vorzugsweise von Erst-Runden Teilnehmern von Germany’s Next Topmodel oder Siebtplatzierten beim Bachelor die treffende Beschreibung von Influencer Marketing. Wie die Hyänen stürzen sich gewiefte Marketiers und Agenturen auf die Sternchen, um ihre Produkte gegen Einwurf von Schienen auf dem boomenden Instagram-Accounts platzieren zu lassen. Weil: Wir machen Influencer-Marketing! Wir sind State-of-the-Art! Und jetzt das: Eine britische Studie hat herausgefunden, dass Influencer-Marketing der Marke schadet. Fast die Hälfte der befragen 18 bis 24-jährigen sieht das so. Wundert uns das nur wirklich? Influencer-Marketing ist Imagetransfer. Wollen wir das Image der Insta-Starlets für die nachhaltige Positionierung unserer Marke? Instant ist nicht umsonst der Augenblick und berühmt auf Instagram ist zirka so wertvoll wie reich bei Monopoly...

Von grünem Gras und blühenden Wiesen - über das erbarmungslose Gedächtnis des World Wide Web

Heute haben wir mal wieder eine „früher war alles besser“-Story. Besser...naja...zumindest einfacher...damals wie heute gab’s Krisen. Verschuldet oder unverschuldet ist man von einem Tag zum anderen auf den Titelseiten der Medien gelandet...in irgendeinen Skandal verwickelt. Irgendwann war dann die Geschichte durch. Es hat niemanden mehr aufgeregt, die Krise war vorbei, die Krisenkommunikatoren sind nach Hause gegangen. Es ist Gras über die Sache gewachsen.

Heute ist alles anders...weil dieses Gras nicht mehr wächst. Schuld daran ist das erbarmungslose Gedächtnis des World Wide Web und die ziemlich ausgereifte Google-Suche. Ist einst ein Name im Zuge eines Skandals aufgepoppt, war die Erinnerung ebenso schnell wieder weg. Jetzt gibt man den Namen in die Google-Suche ein und Autsch, alles ist wieder da...besonders in der beliebten News-Section. Da hilft nur eines, man muss einfach mit neuen, lässigen, spannenden Geschichten raus und diese erzählen...am besten in auflagenstarken SEO-affinen Medien. Dann rutschen die ungeliebten Erinnerungen in die Google-Vergangenheit und die Welt ist wieder in Ordnung. In unserer herrlich oberflächlichen und schnelllebigen Welt ist kein Versteck besser als die Seite 3 der Google-Suche. Hier wächst dann doch noch das Gras...

Gute Zeiten, schlechte Zeiten - und warum wir ein Fundament brauchen

Es gibt ja noch immer die, die an der Wirkung und Wirksamkeit strategischer und kontinuierlicher Kommunikation zweifeln. „Wir brauchen das nicht“, „Wir sind nicht an Publicity interessiert“, „Wir sind keine Consumer-Company“... Ich habe schon längst aufgegeben, den Zweiflern den Wert der Kommunikation nahe zu bringen und PR für PR zu machen. Sie werden schon sehen, denk ich mir heimlich... Tja, und dann passiert’s: Die Company kommt auf den medialen Radar – selten wegen einer guten G’schicht...sondern eher dann doch in Krisenzeiten. Und es wird recherchiert... nur man findet nichts bis wenig, weil „man ja nicht kommunizieren muss“. Nur weil man nichts findet, heißt das nicht, dass nicht geschrieben wird...im Gegenteil. Und man kann so gar nicht mehr die Inhalte bestimmen oder zumindest ein bisschen beeinflussen. Kontrolle über das, was da über einen geschrieben wird, hat man nicht mehr. Die Verwunderung ist groß: „Warum schreiben die das?“, "Die haben ja keine Ahnung, was wir alles tun!" Das Fundament für eine kontrollierte Kommunikation in Krisenzeiten, schafft man in den guten Zeiten. Davon kann man in schlechten Zeiten zehren...Das sei allen Zweiflern ins Stammbuch geschrieben.

Der Mörder-Sager - weil Liken vor Lesen kommt

Sie müssen knackig sein...irgendwie erfrischend...und eine relevante Aussage auch noch beinhalten – die Zitate. Es ist ja mein Lieblingspart beim Schreiben von Presseaussendungen, beim Ausarbeiten von Interview-Briefings - das Texten des Zitats, das Formulieren des Sagers. Die Entwicklung des Sagers braucht besondere Aufmerksamkeit, Hingabe und Zuneigung. Sonst wird er nix. Oft is er zu lahm – weil zu content-getrieben...oder zu beliebig, weil wir uns nicht mehr trauen oder zu zusammenhanglos und damit irrelevant.  In einem Satz, in einer Überschrift die Message rüberzubringen, das ist das Ziel. Und für alle, die nun maulen, „das ist so oberflächlich, du muss mit gutem Inhalt auffallen“ – ja eh. Aber meine Aufgabe ist es, dem guten Inhalt die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und das funkt eben mit dem Mörder-Sagen. Denn seien wir uns mal ehrlich: Wie oft lesen wir in der Zeitung die Überschriften und im Vergleich dazu den ganzen Artikel...oder klicken wir wahrhaftig jedes Mal in den Facebook-Post...nö...denn Liken kommt vor Lesen und mit dem Mörder-Sager, hamma immerhin die Message geliefert.

Der Kuss der Muse - über die Kunst und die Fertigkeit kreativ zu sein.

Bei all den wundervollen Aufgaben, die ich in meinem Job habe, ist das Ideen-Konzept eindeutig meine liebste. Der Kreativität freien Lauf lassen...Machbarkeit, Sinnhaftigkeit und Budgettauglichkeit werden erst beim nächsten Schritt zum Killer. Alles ist erlaubt...nicht nur erlaubt, sondern gewünscht. Endlich. Was aber, wenn mir diesmal nichts einfällt? Wenn mir einfach nichts einfällt. Die Ideen nicht sprudeln, der Cursor blinkt und das Papier weiß bleibt. Ja, Freude und Angst liegen da verdammt knapp beieinand. Gottseidank hat man nach 20 Jahren Strategien dafür entwickelt. Um genau zu sein, habe ich zwei Strategien und sie sind vollkommen konträr: Die eine ist ein Klassiker: Hirn frei kriegen...iPhone auf lautlos...Macbook zuschlagen...laufen gehen...Die E-Mails, Calls und To-Do-Listen weit hinter sich lassen und draußen sein. Die andere ist das absolute Gegenteil: Lesen, Surfen, Wissen aufsaugen...Eine Methode geht immer. Der Kuss der Muse ist fast garantiert. Welche, muss ich manchmal ausprobieren. Was sie gemeinsam haben: Sie brauchen Zeit. Der kreative Prozess ist ein Prozess, vielleicht eine Kunst und mitunter eine Fertigkeit.

Fragen oder nicht fragen? - Über das ewige Dilemma mit dem Briefing

Das Briefing, der beste Freund des Beraters. Da steht alles drinnen, was man wissen muss...alles...naja manchmal...eher eine Leitlinie...hmm, „Sie wissen eh, was ich meine“...Nein, weiß ich eigentlich nicht...Wer seit 20 Jahren auf beiden Seiten in der PR tätig ist, hat eine gewisse Hassliebe zum Briefing entwickelt. Ist es zu detailliert, zu eng, zu exakt, lässt es wenig Spielraum, wenig Platz für Phantasie, für Kreativität. Ist es zu schwammig – was im Alltag eher der Fall ist – kann man mit dem Konzept schwer daneben liegen...weil wir keine Hellseher sind, sondern eben PR-Berater. Da sitzt man vor dem Briefing, entwickelt das Konzept und die Fragen tauchen auf...und auf die Fragen, folgt die Gewissensfrage: Soll ich nachfragen? Ich bin mir da bis heute nicht so sicher...nicht, weil ich zu schüchtern bin, den potenziellen Kunden anzurufen, sondern, weil ich mir oftmals denke, fängt nicht hier schon meine Beratung an? ...erwartet er von mir, dass ich mir schon eben diese Gedanken mache, weil das Briefing und damit die Analyse der Ausgangssituation und die Definition der Zielsetzung zu meiner Aufgabenstellung gehört? Zumeist ruf ich nicht an...

"Die Geister, die ich rief..." - was Vegan-König Attila vom Zauberlehrling lernen kann

Promi-Koch, Vegan-Ambassadeur und TV-Sternchen Attila vermarktet seit Jahren geschickt die fleischlose Ernährung unter Bobos, Hipsters und Ökos. Von „Schlag den Star“ bis „Let’s Dance“ genießt er vermeintlich das Rampenlicht.  Bis eine Journalistin des Tagespiegels es wagte, sein Lokal zu testen und zu bewerten. Die Kritik fiel wohl nicht sehr positiv aus, aber die Reaktion war dennoch denkwürdig. Noch selten hat ein Promi Journalisten so beschimpft, bedroht und verflucht. Tja, lieber Attila, auch du musst mit Kritik umgehen können. Auch mit öffentlicher. Die „labbrigen Pommes“ bringen den Koch zum Kochen...echt jetzt? Sicher ist es hart, Kritik einzustecken. Sicher ist es besonders hart, öffentlich Kritik einstecken zu müssen. Nur: Wenn man das nicht kann, darf man nicht den Schritt in die Öffentlichkeit gehen. Die Geister, die ich rief, werd ich nicht los...das wusste schon der Zauberlehrling. Jahrelang aktiv PR zu machen, sich selbst als Pionier der veganen Küche in der Öffentlichkeit zu vermarkten, Publicity dazu nutzen, um das Geschäft anzukurbeln und dann mit etwas Kritik nicht umgehen zu können? Bursche, das musst dir früher überlegen!

 

Let's get emotional - warum Empathie die neue Authentizität ist und nicht das Gegenteil von Professionalität

„Authentisch soll er sein“...authentisch gilt als das Zauberwort für einen erfolgreichen Politiker, Promi oder Manager. Aber das mit der Authentizität hat so einen Haken, denn wenn die Kerneigenschaft desjenigen Selbstverliebtheit, Machtgier oder Geltungsdrang ist, ist „authentisch sein“ kein Erfolgsgarant. Neben der Authentizität wird dann noch Wert auf die Professionalität gelegt. Professionelles Auftreten, um keine Antwort verlegen sein, immer unter Kontrolle, nie laut werden, nie emotional werden... Warum? Warum wollen wir keine Emotionen sehen? Ich will Emotionen sehen! Denn das sind Menschen mit Emotionen. Mit Empathie zeigen sie, wer sie sind, was ihnen wichtig ist, dass Dinge nicht an ihnen abprallen wie an einer Teflon-Pfanne. Ich will viel lieber Emotionen sehen als diese „Authentizität“ und angelernte Professionalität! Ist doch nur menschlich, oder?

Der X-Faktor - warum ein erfolgreicher Blog Handwerk und nicht Hexerei ist

Bloggen gehört schon länger zum guten Ton oder sagen wir mal ins Portfolio des PR-Profis - respektive erfolgreicher Manager, Persönlichkeiten, Stars und Sternchen. Nun geht der eine Blog so richtig ab und der andere versumpert irgendwo im Nirwana des World Wide Webs. Gerade die Generation der 40+-Digital-Immigrants rätselt dann gern über das Wunder erfolgreicher Blogs, und sie verstehen so gar nicht, warum die eigene Kolumne ungelesen und unkommentiert bleibt. Es wird dann gern der Hexerei, Magie oder sonst einem unerklärlichen Phänomen der Neuzeit zugeschrieben. Aber den X-Faktor im erfolgreichen Bloggen gibt es nicht. Denn ein Blog wird dann erfolgreich, wenn er gut gemacht ist – wie jede andere Maßnahme in der Medienarbeit...Eine gute Presseaussendung bietet einen Newswert. Ein guter Blog bietet einen Mehrwert. Mein Content muss informieren, inspirieren oder unterhalten. Einfach Relevanz haben. Dann muss ich ihn für die Zielgruppe geeignet platzieren, und er muss kontinuierlich erschienen. Das war das kleine 1x1 für erfolgreiches Bloggen! Ich hoffe, das hat euch jetzt unterhalten...informiert...oder inspiriert... 

"Und alles läuft perfekt" - warum Schönreden noch selten eine gute Idee war

Ich will ja jetzt gar nicht Bezug auf einen aktuellen Anlass nehmen, oder gar den Nationalratswahlkampf in good old Austria kommentieren. Nur ganz allgemein möchte ich schlicht den Kern der Geschichte hier ausarbeiten...Manchmal rennen die Dinge einfach nicht so wie sie sollen. Ich denke, das ist uns allen schon passiert...denn unfehlbar sind die Wenigsten von uns...bei einem Projekt, oder auf der Uni, in der Karriere, im Sport geht mitunter mal was schief. Wenn der Hund drin is, is der Hund drin. Blöd auch, wenn man dabei mitten im öffentlichen Interesse steht, denn dann muss man zu den Missgeschicken, Fehltritten und Ausrutschern Stellung nehmen. Meine Empfehlung: Herz in die Hand nehmen, die Sache offen ansprechen, entschuldigen, Besserung geloben, demütig sein. Das ist die einzige Chance, gut aus so einer Sache rauszukommen. Wenn man Glück hat, gelingt es sogar, dass man Sympathiepunkte abräumt. Aber: Leungen, Schönfärben und Schönreden hilft nur selten. Es ist einfach unglaubwürdig und manchmal gar lächerlich...und das macht dann die Sache nur noch schlimmer...weil dann kann ich nicht mal mehr auf den Mitleidseffekt hoffen...

Oberfläche bis zum Grund? - Reden wir mal über's Outfit und nicht über den Inhalt

Es gilt allgemein als besonders oberflächlich, wenn man sich zu viele Gedanken über sein Aussehen macht. Aber die Frage: „Was zieh ich an?“ beschäftigt man...frau...nicht nur bei der Hochzeit der besten Freundin oder der Girl’s Night Out. Bei der Präsentation, der Verhandlung, beim Interview - auch wenn Kleidung kein Content ist, sagt sie dennoch etwas aus. „Sei wer du bist“ und „Zieh an, worin du dich wohlfühlst“ sind nur bedingt die besten Ratgeber. Die Zeiten des Standard-Outfits – Anzug für die Jungs und Kostüm für die Mädels – sind vorbei. Das kann bei mancher Zielgruppe heute der absolute Overkill sein. Besonders extravagant wirken zu wollen, kann ebenso in die sprichwörtliche Hose gehen. Hingegen: Akzente setzen, leicht aus der Rolle fallen, um den Charakter zu unterstreichen, machen so richtig Sinn. Drum sollte man tatsächlich, den einen oder anderen Gedanken an sein Outfit verschwenden...ich mein’ natürlich investieren und nach diesen Prinzipien handeln: Zieh dich immer einen Hauch besser an als dein Publikum, wähle ein Outfit, das für deine Profession und Branche steht und setze einen Akzent, der deine Besonderheit subtil unterstreicht. Dann darfst du perfekt gestylt deinen Content zum Besten geben!

 

Von harten Nüssen und programmiertem Scheitern - soll man Kamikaze-Jobs in der PR annehmen?

Mein Traumjob in der PR-Welt ist wieder zu haben. Der White House-Sprecher hat kürzlich das Handtuch geworfen – und die Medien haben ihm dazu von Herzen gratuliert. Ja, Pressesprecher für den Präsidenten ist, glaub ich, zur größten Herausforderung in der PR-Welt geworden – um es diplomatisch zu formulieren. Vermutlich ist der Job unlösbar...keine harte Nuss, keine große Aufgabe, sondern einfach ein Kamikaze-Kommando. Kamikaze-Jobs begegnen einem in der PR-Welt, und ich denke in der restlichen Welt, immer wieder. Ich hab ja einen Hang dazu, sie anzunehmen. Weil ich es sportlich nehm’, von der PR als Disziplin und freilich auch meiner Expertise überzeugt bin. Nona...sonst tät ich ja was Anderes. Ich muss mir allerdings eingestehen, dass Kamikaze-Jobs selten von Erfolg gekrönt waren, denn sie sind das programmierte Scheitern. Der CEO, der von PR nichts hält, die Führungsetage, die alle kritischen Infos dem Pressesprecher verweigert, der Finanzer, der in dir nur das Einsparungspotenzial sieht – du wirst sie nicht missionieren...bevor man bei den richtigen argen Jobs gleich lauthals „hier“ schreit, sollte man mal vielleicht doch eine Runde drüber schlafen...sonst wird aus dem vermeintlichen Traumjob fürchterlich schnell ein Albtraum...Und btw: Good luck der neuen Sprecherin im Weißen Haus!

 

Generation "Popstar Politiker" - wie Justin Trudeau und Sebastian Kurz alte Polit-Klischees aufbrechen

Wir haben so unsere Vorstellung von Berufsgruppen...jeder hat ein Bild vor seinem Auge, wenn er an die Volksschullehrerin, den Richter, den IT-Nerd oder den Werbe-Fuzzi denkt.  Der gemeine Politiker – gemein steht in dem Zusammenhang für üblich nicht für böse – ist eher älter, trägt ein stattliches Bäuchlein, schlechtsitzende Anzüge, eine Stirnglatze und eine Brille...Cut...Das war einmal. Im Sturm erobern die jungen, agilen, sportlichen Jungs die Bühne der Weltpolitik. Sie verlassen die üblichen ausgetretenen Pfade, ignorieren gern die Ratschläge von Politik-Beratern und machen einfach ihr Ding...dynamisch, neu, frech, fesch, flirty, mutig. So teilt sich Kanadas Premier Justin Trudeau nicht nur den Vornamen mit seinem Landsmann Justin Bieber – denn sie sind beide Popstars. Au ja, wir sind in der Generation „Popstar Politiker“ angekommen! Und genau sie bringen den lang ersehnten frischen Wind in die veraltete, verkrustete, graue Politik. Was daraus wird? Wissen wir nicht – aber vom One-Hit-Wonder zum Megastar ist alles drin!